Sektionen
Sie sind hier: Startseite .:. Bezirk Reutte .:. Schutzgebiete .:. Schutzgebiet Vilsalpsee

Schutzgebiet Vilsalpsee

Lage und Größe

Das Naturschutzgebiet und Natura 2000 Gebiet Vilsalpsee liegt im Tannheimer Tal, einem Hochtal im Außerfern (Bezirk Reutte, Tirol) in einem Tal- und Berggebiet südlich der Ortschaft Tannheim. Es befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinden Tannheim und Weißenbach am Ostabfall der Allgäuer Alpen. Das Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von 18,2 km2 in einer Höhe von ca. 1160 m bis 2274 m. Der Vilsalpsee, der zu einem der schönsten Bergseen Tirols gehört, liegt am vorderen Ende eines vom Gletscher geformten Tales, der vom Bärgacht ausgehend nach Norden in Richtung Tannheimer Tal geflossen ist und dort auf einen Seitenarm des Lechtalgletschers traf. Die typischen Kare mit ihren Seen und Karschwellen entstanden dabei. Die Begrenzung des Naturschutzgebietes verläuft über die schroffen Gipfel der Schochenspitze (2069 m), Leilachspitze (2274 m), Krottenköpfe, Lachenspitze (2126 m), Steinkarspitze (2015 m), Kastenkopf (2135 m), Kugelhorn (2126 m), Rauhorn (2241 m) und Gaishorn (2247 m). Ein besonderes Gebiet des Natura 2000 Gebietes, das Gappenfelder Notländ, liegt in einem hochgelegenen Kar am Fuße der Lachenspitze, der Krottenköpfe und der Leilachspitze. Es bildet den Talschluß des Birkentales. Hier entspringt der Weißenbach. Er entwässert hin zum Lech. Der Name Gappenfelder Notländ (Atlend) kommt daher, dass in jeder Gemeinde des Lechtales hochliegende Almgebiete mit schlechtem Graswuchs und kurzen Gräsern bestanden, die zu Notzeiten bestoßen wurden. Das Gebiet gehört zur Gappenfelder Alm.

Landschaftsbild

Die Landschaft ist geprägt von mehreren Seen in verschiedenen Höhenstufen in einer Berglandschaft mit schroffen Kalkfelsen, Gipfeln und Graten. Der Vilsalpsee (1165 m, 700 ha) wird nach NNO von der Vils entwässert. Zahlreiche kleine Bäche und Quellen münden in den See. Der Traualpsee (1630 m) ist ein Karsee oberhalb des Vilsalpsees. Er wurde zur Stromgewinnung in den 60iger Jahren aufgestaut. Die Lache (1770 m) und der Alplsee (1600 m), zwei weitere Karseen, liegen im Schutzgebiet. Mahdwiesen und Almweiden finden sich am Talboden um den Vilsalpsee. Angrenzende Hänge sind mit einem Bergfichtenwald bedeckt. Bemerkenswert ist der Talschluss südlich der Vilsalpe, der sogenannte Bergaicht (Bergacht) mit steilen Kalkwänden, Fichten-Block-Urwald und einem gewaltigen Wasserfall. Das umgebende Gelände ist stufenförmig gegliedert. Dabei wechseln flache Kare mit steilen Karschwellen ab. Prägend sind dabei vor allem blumenreiche alpine und subalpine Rasen. Umrahmt wird das gesamte Naturschutzgebiet von schroffen Gipfeln aus Dolomit:

Charakteristische Lebensräume im Naturschutzgebiet sind Seen, Moore, ein Fichten-Block-Urwald, Birken-Grünerlen-Gebüsche, subalpine und alpine Kalkrasen und ein Zirben-Lärchenwald.

Besonderheiten der Flora und Fauna

Das Naturschutzgebiet und Natura 2000 Gebiet Vilsalpsee zeichnet sich durch eine besondere Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und durch das Vorkommen seltener, von der Ausrottung bedrohter Arten aus, die entweder EU-weit, nach der Tiroler Naturschutzverordnung 2006 (TNSchVO 2006) bzw. nach dem Tiroler Naturschutzgesetz 2005 (TNSchG 2005) geschützt sind oder in der Rote Liste Tirols und Österreichs als selten, gefährdet oder stark gefährdet gelten.

Im Uferbereich bzw. im Bereich der Verlandungszone (Vilsalpsee) findet sich ein ausgedehnter Unterwasserrasen mit Laichkraut (Potamogeton) und Armleuchteralgen (Chara). Vor allem Armleuchteralgen sind sehr empfindlich gegenüber Wasserverunreinigungen und benötigen deshalb sauberes Wassers um überleben zu können. Weiters finden sich im Verlandungsbereich Arten wie etwa Schnabelsegge (Carex rostrata), Teichschachtelhalm (Equisetum fluviatile) und Sumpf-Teichfaden (Zannichella palustris). Weitere Arten des Lebensraumes Moor und Feuchtwiese sind z.B. Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri), Braunsegge (Carex nigra), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), Alpenfettkraut (Pinguicula alpina). In den zahlreichen subalpinen und alpinen Rasen blühen im kurzen Bergsommer bunte Blumen, wie etwa die Alpen-Küchenschelle (Pulsatilla alpina), der Gelbe Enzian (Gentiana lutea), das Blätter-Läusekraut (Pedicularis foliosa), wie auch viele seltene Orchideen: Kugelstendel (Traunsteinera globosa), Hohlzunge (Coeloglossum viride), Breitblatt-Fingerknabenkraut (Dactylorhiza majalis), Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata) usw. Auf diese bunte Vielfalt folgt eine spezialiesiert Felsspalten- und Schuttvegetation. Dem aufmerksamen Wanderer fällt noch eine botanische Besonderheit im Naturschutzgebiet Vilsalpsee auf: ein Zirbenbestand im Bereich der Traualpe und Landsberger Hütte wie auch im Gappenfelder Notländ gilt als das nördlichste Vorkommen in Tirol. Typischerweise kommen Zirben nur auf Urgestein vor.

Aufgrund seines Vogelreichtums wurde das Naturschutzgebiet Vilsalpsee als internationales Vogelschutzgebiet gemäß der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen. Alle Charakterarten der subalpinen und alpinen Zone sind, z.T. in hoher Dichte, vertreten. Fünf verschiedene Wasservogel-Arten werden am Vilsalpsee ständig bzw. häufig beobachtet (Haubentaucher, Reiherente, Stockente, Gänsesäger, Blässhuhn). Von diesen brüten vier Arten im Gebiet. Dies ist für Tirol eine bemerkenswert hohe Zahl. Das Verlandungsmoor des Vilsalpsees ist ein hervorragendes Brutgebiet, nicht nur für Wasservögel, auch für Amphibien: Alpensalamander (Salamandra atra), Erdkröte (Bufo b. bufo), Grasfrosch (Rana t. temporaria). Weiters beherbergt der Vilsalpsee wie auch der Traualpsee eine Fülle von verschiedenen Fischarten, die typischerweise in klaren, kalten Bergseen beheimatet sind; z.B. Bachforelle (Salmo trutta f. fario), Seeforelle (Salmo trutta f. lacustris).

Pflegemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit

Die Erhaltung und Verbesserung des reich strukturierten Lebensraumes im Naturschutzgebiet Vilsalpsee steht im Mittelpunkt der Arbeit der seit 2006 bestehenden Einrichtung der Schutzgebietsbetreuung. Dieses Ziel soll vor allem mittels einer breit gefächerten Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden. Persönliche Gespräche, Pressemitteilungen und besonders spezielle Führungen ins Naturschutzgebiet sollen die lokale Bevölkerung und die Gäste des Tannheimertales für die Natur sensibilisieren, wie etwa die beliebte „Nacht der Fledermäuse“ (1. August 2008).

Ein Schwerpunkt ist auch die Arbeit mit Schulen. Kindern soll möglichst früh die Verantwortung für unsere Umwelt beigebracht werden. Dazu wurde im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit natopia (Naturpädagogikverein in Tirol) ein spezielles Halbtagesprogramm neu erarbeitet.

Mittels Informationstafeln soll bei den Besuchern ebenfalls das Interesse für Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume geschaffen werden.

Auch Pflegemaßnahmen werden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung durchgeführt (z.B. Schwendungen). Hierbei spielt die Landwirtschaft eine tragende Rolle.

Artikelaktionen