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Schutzgebiet Ehrwalder Becken

 

Seit Jahrhunderten werden die Feuchtwiesen des Ehrwalder Beckens landwirtschaftlich genutzt. Trotzdem bzw. gerade deshalb konnte sich hier eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln. Diese Tatsache führte 1991 zur unter Schutz Stellung eines Teiles des Ehrwalder Beckens (Moos und Altarm Loisach):

„Das Gebiet wird wegen der besonderen Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und wegen des Vorkommens seltener, von der Ausrottung bedrohter Tier- und Pflanzenarten und seltener Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen zum Naturschutzgebiet erklärt.“ (Schutzgebietsdefinition nach § 1 der Verordnung vom 02.04.1991)

Lage und Größe

Das Ehrwalder Becken befindet sich im nordwestlichen Teil von Nordtirol (Bezirk Reutte, Zwischentoren).

Das Becken ist ca. 3,5 km2 groß, liegt auf 963 m und nimmt jenen Teil des Talgrundes ein, der durch die Straßen Ehrwald – Lermoos – Biberwier – Ehrwald abgegrenzt ist. Innerhalb dieses Bereiches liegt das Naturschutzgebiet mit einer Größe von 28,6 ha. Der größte Teil des Schutzgebietes liegt im Süden des Beckens, im Gemeindegebiet von Biberwier (Moos). Zusätzlich gehört ein kleiner Altarm der Loisach (ca. 800m) im Norden des Beckens zum Schutzgebiet.

Landschaftsbild

Besonders die Umgebung prägt das Landschaftsbild des Ehrwalder Beckens. Zugspitze und Ehrwalder Sonnenspitze, wie auch die übrigen umliegenden Berge bieten dem Besucher des Naturschutzgebietes ein wunderschönes Panorama. Das Becken selbst zeigt einen flachen Grund. Nur die Tomahügel (Tummebichel), niedrige Erhebungen in der Landschaft, ragen heraus. Sie stellen Überreste eiszeitlicher Gletschermoränen bzw. juradischer Sedimentablagerungen dar.

Das Naturschutzgebiet zeichnet sich durch eine traditionelle ländliche Struktur aus. Teilweise werden Flächen bewirtschaftet. Andere Flächen stehen brach. Der Wald holt sich mit schnellen Schritten seinen Grund und Boden zurück. Zahlreiche Wasserläufe durchziehen die Landschaft, die alle zum Einzugsgebiet der Loisach gehören.

Auf Wegen kann das Naturschutzgebiet umrundet werden.

Charakteristische Lebensräume

Im Ehrwalder Becken kommen mehrere Lebensraumtypen vor, die in Tirol und z.T. sogar europaweit, nur noch selten vorkommen. Beherbergt werden spezialisierte, oft geschützte Pflanzen und Tiere, die außerhalb dieser Lebensräume keine Überlebenschance haben. „Die Erhaltung dieser Lebensräume hat somit eine besondere Bedeutung für das über Jahrhunderte entstandene Artenspektrum des Landes (Cerny 2001).“

EU-weit geschützte Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse sind etwa Hoch- und Niedermoore, wie auch Pfeifengras- und artenreiche Feuchtwiesen.

 

Hochmoor-, Übergangs- oder Zwischenmoor

Im Naturschutzgebiet wurde 1997 ein Teilgebiet als Hochmoor ausgezeichnet. Auf Grund der aktuellen Artengarnitur, insbesondere auf Grund des z.T. starken Auftretens von Schilf, mußte dieses Teilgebiet seit 2005 als Übergangs- oder Zwischenmoor eingestuft werden.

Die Fläche ist relativ klein und befindet sich auf der orographisch linken Seite der Loisach im Gemeindegebiet von Biberwier. Der Kern zeichnet sich durch charakteristische Strukturen und einem standortgerechten Artenspektrum aus.

Besonderheiten der Flora und Fauna

Das Naturschutzgebiet Ehrwalder Becken zeichnet sich durch eine besondere Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und durch das Vorkommen seltener, von der Ausrottung bedrohter Arten aus, die entweder EU-weit, nach der TNSchVO 2006 (Tiroler Naturschutzverordnung 2006) bzw. nach dem TNSchG 2005 (Tiroler Naturschutzgebiet 2005)  geschützt sind oder in der Rote Liste Österreichs als selten, gefährdet oder stark gefährdet gelten.

Der Schutz dieser seltenen und besonderen Flora und Fauna hat deutlich an Bedeutung gewonnen, denn sie gehören zu Lebensräumen, die in ganz Tirol, aber auch europaweit durch Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung zunehmend verloren gehen. Die Flora und Fauna des Ehrwalder Beckens hat sich unter dem Einfluss spezifischer standörtlicher Bedingungen und der extensiven Nutzung entwickelt und kann nur erhalten bleiben, wenn diese Bedingungen weiter gegeben sind.

Typische Pflanzenarten des Übergangsmoores sind etwa Torfmoose (Sphagnum sp.), Gemeine Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia). Im Gegensatz dazu findet man im Bereich der Niedermoore

viele verschiedene Orchideen, wie z.B. Breitblatt-Fingerknabenkraut (Dactylorhiza majalis), Glanzkraut (Liparis loeselii) und Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), weiters Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) und Mehl-Primel (Primula farinosa).

Auch kreucht und fleucht es im Naturschutzgebiet. Vor allem Schmetterlinge (126 Arten nachgewiesen) gelten als gute Indikatoren für gute Lebensbedingungen in einem Gebiet, in dem auch viele andere Insekten einen geeigneten Lebensraum finden. Diese wiederum bilden die Nahrungsquelle für Vögel. 51 Vogelarten sind im Naturschutzgebiet nachgewiesen, 41 Arten davon als Brutvögel. Ein Viertel der festgestellten Arten sind in der Roten Liste gefährdeter Brutvögel Tirols mit geringer Populationsgröße oder anhaltendem Rückgang eingetragen, z.B. Neuntöter (Lanius collurio), Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), Baumpieper (Anthus trivialis), Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Karmingimpel (Carpodacus erythrinus).

Pflegemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit

Die Erhaltung und Verbesserung des reich strukturierten Lebensraumes im Naturschutzgebiet Ehrwalder Becken steht im Mittelpunkt der Arbeit der seit 2006 bestehenden Einrichtung der Schutzgebietsbetreuung. Dieses Ziel soll mittels abgestimmter Pflegemaßnahmen erreicht werden. Solche Projekte umfassen etwa Schwendungen oder die Renaturierung und „Instandsetzung“ des Altarmes Loisach. Ökologische Nischen für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten sollen neu geschaffen werden um ihr Überleben auf Dauer zu sichern.

Besonders auch die Sensibilisierung der Bevölkerung und Gäste ist entscheidend für eine erfolgreiche Arbeit im Naturschutzgebiet. Nur wenn die lokale Bevölkerung hinter den Pflegemaßnahmen steht, kann die Arbeit Früchte tragen. Erreicht soll dieses Ziel werden mittels Vorträgen und vor allem mittels einem speziellen Exkursionsprogramm:

Ein besonderes Erlebnis ist das „Nachtleuchten“ am 8.August 2008. Nach Einbruch der Dunkelheit dringt der Besucher in die wunderbare Welt der Nachtfalter ein. Mit sogenannten Lichtfallen werden die Falter angelockt und deren Besonderheiten von den Spezialisten Kurt und Alois erläutert bevor sie wieder in der Dunkelheit verschwinden (siehe Veranstaltungsprogramm 2008).

 

Weiters sollen vor allem die tragende Bevölkerungsschicht für die Zukunft, die Kinder, sensibilisiert werden für das Naturjuwel vor unserer Haustür. Dazu wurde das grenzüberschreitende Schulprogramm „Abenteuer natur“ (Zwischentoren, Ammergauer Alpen) entwickelt. Gemeinsam mit geschulten Naturführern der Region und der Schutzgebietsbetreuung wird das Moos, ausgerüstet mit Becherlupe und Keschern, genauestens erforscht. Auch die Entstehung und Entwicklung des Ehrwalder Beckens ist Inhalt des Exkursionsprogramms.

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