Reutte
Der Bezirkshauptort, die Marktgemeinde Reutte, liegt rund 90 km von Innsbruck entfernt in einem weiten Talkessel an der rechten Seite des Lechflusses, umrahmt von den Bergen der Lechtaler Alpen, den Tannheimer Bergen und dem Ammergebirge.
Informationen:
| Einwohner | 5857 |
| Bügermeister | Alois Oberer |
| Telefon | 05672-72300 |
| reutte@reutte.at |
Geschichte
Die Entwicklung Reuttes zum zentralen Ort begann aus unscheinbaren Anfängen, denn Reutte gehört als Rodungssiedlung zu den jüngeren Außerferner Orten. Eine 1278 erste gesicherte Nennung als „Ruthi prope Breitenwanch” (Reutte bei Breitenwang) weist Reutte eindeutig als Tochtersiedlung von Breitenwang aus. Reutte wird allgemein vom Wort „roden” hergeleitet.
Diesen Aufschwung führten einerseits die Begradigung und somit Verkürzung der Straße, die ursprünglich dem Verlauf der Via Claudia Augusta über Breitenwang folgte, und andererseits der Bau einer Brücke über den Lech, 1464, herbei. Dadurch gewann Reutte an zentraler Bedeutung und überflügelte Breitenwang in kürzester Zeit.
Dank der Verbesserung der Straße wurde Reutte noch vor 1471 Niederlags- und Rodfuhrort, als der bisherige Salzstadel von Heiterwang in die nun aufstrebende Siedlung Reutte verlegt wurde. 1488 erhielt Reutte das Recht eines Wochenmarktes und zweier Jahrmärkte.
Am 5. Juni 1489 erhob der Tiroler Landesfürst Erzherzog Sigmund „der Münzreiche” auf Betreiben des Pflegers von Ehrenberg, Jörg Gossenbrot, Reutte zum Markt. Bereits 1491 erhielt Reutte durch König Maximilian I. das Recht der freien Bürgeraufnahme. 1506 ließen sich die übrigen Orte der Großpfarre Breitenwang, nämlich Breitenwang, Ehenbichl und Pflach, nach außen durch den Markt Reutte vertreten.
1553 versuchte Reutte – allerdings erfolglos – den Pfarrsitz von Breitenwang nach Reutte zu bringen. 1604 verlegte der Pfleger von Ehrenberg, Burkhard Laymann, seinen Sitz von Ehrenberg nach Reutte, wodurch Reutte Sitz des Gerichtes und de facto Hauptort des Gerichtes Ehrenberg wurde. 1743 lehnte Reutte jedoch aus finanziellen Gründen das Angebot zur Stadterhebung ab.
Die Verwaltungsreform der Kaiserin Maria Theresia, 1754, machte Reutte zum Hauptort des neuen Kreises Oberinntal, der sich in etwa über die heutigen Bezirke Reutte, Imst und Landeck, aber auch noch auf Südtiroler Gebiete erstreckte. 1778 verlor Heiterwang seine Poststation, die nach Reutte zentralisiert wurde. Durch die Auflassung der Feste Ehrenberg, 1782, kamen die letzten dort verbliebenen Instanzen nach Reutte.
Die bayerische Verwaltungsreform von 1806 löste das Gericht Aschau auf und gliederte es dem nunmehrigen Landgericht Reutte an. Reutte war nun Zentrum eines weitgehend den heutigen Bezirk umfassenden Gebietes. Als 1814 Tirol zu Österreich zurückkehrte, blieben die bayerischen Verwaltungsreformen aufrecht.
1816 wurde das ehemalige Gericht Vils Tirol einverleibt und dem Gericht Ehrenberg zugeteilt, wodurch Reutte nun Zentralort des gesamten heutigen Außerferns (ohne die erst 1938 angegliederten Gemeinden Pfafflar, Gramais und Kaisers) war.
Bei der ersten Einführung von Bezirkshauptmannschaften, 1849, erhielt Reutte eine Expositur. Hierauf wurde es 1854 Sitz eines „Gemischten Bezirksamtes” (Gericht und Verwaltung) und schließlich 1868 endgültig Sitz des Bezirkshauptmannes.
Von 1938 bis 1945 war Reutte Hauptort des gleichnamigen Kreises, stand im Statut einer Stadt, ohne formell zu einer solchen erhoben worden zu sein.
Der nach 1945 erfolgte konsequente Ausbau zum Wirtschafts-, Schul- und Bildungszentrum festigte die Zentralfunktion von Reutte, wozu auch die Abgeschlossenheit des Außerferns vom übrigen Tirol beitrug. Eine Stadterhebung wurde zwar mehrmals diskutiert, aber nicht durchgesetzt, wodurch Reutte neben Tamsweg der einzige Bezirkshauptort Österreichs im Statut eines Marktes ist.
Nach neuen wissenschaftlichen Untersuchungen liegt Reutte unter 110 ausgewiesenen „zentralen Orten” auf Platz 50 (noch vor Wörgl, Imst oder Hall). Nach einer anderen Untersuchung, die das Umland, die so genannten „Stadtregion”, einbezieht, scheint Reutte als einziger Markt unter 39 ausgewiesenen „bedeutenden Städten” auf.

