Pflach
Pflach liegt etwa drei Kilometer nördlich von Reutte auf 840 m Seehöhe am Fuß des Säulings (2047 m), umfasst eine Fläche von 13,83 km2 und wuchs mit der Integration der Weiler Oberletzen 1974, Unterletzen 1981 und Wiesbichl. Damit dehnt sich das langgezogene Straßendorf auf beiden Lechseiten aus.
Informationen:
| Einwohner | 1244 |
| Bügermeister | Helmut Schönherr |
| Telefon | 05672-62022 |
| gemeinde@pflach.tirol.gv.at |
Geschichte
Der erste urkundliche Nachweis des Ortsnamens Pflach als „Plech” stammt aus dem Jahre 1275 und dürfte sich aus „vlach” für „ebene Fläche” entwickelt haben. Die Mühle, Vorgänger des späteren Messingwerkes, wird 1313 erstmals genannt. Der Ort gehörte immer zur Großgemeinde und Pfarre Breitenwang, nahm jedoch politisch eine gewisse Sonderstellung ein, indem er nicht dem Wirtschaftsverband der Pfarrgemeinde mit gemeinsamer Wald- und Weidenutzung angeschlossen war.
Pflach, Durchzugsregion und Bollwerk für Reutte, erfuhr Anfang des 16. Jhs. durch die Gründung des Messingwerkes durch die Augsburger Patrizierfamilie der Hoechstetter großen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Namen der Ortsteile Ober- und Unterletzen deuten noch heute auf die alten Wehranlagen hin.
Der Bergbau soll nach einer Legende auf den hl. Magnus (gest. 750) zurückgehen. Tatsächlich ist die Bergbautradition älter. Das Messingwerk selbst war zu seiner Zeit das bedeutendste in Westösterreich und konnte sich bis zum Dreißigjährigen Krieg behaupten. Das Werk wechselte in der Folgezeit noch öfter seinen Besitzer. Die letzten Gebäude wichen in den 1980er Jahren einer Wohnanlage. In die Anfangszeit der Schmelzhütte und des Bergwerksbetriebes fällt der aus Dank für den reichen Bergsegen errichtete Bau der Kirche zu den Heiligen Ulrich und Afra (1515), „Hüttenkapelle” genannt.
Die Sonderstellung des Ortes kennzeichnet auch das ehemalige Gericht in Pflach, das mit dem Namen des berühmten Minnesängers Oswald von Wolkenstein verknüpft ist. Er heiratete 1417 Margarethe von Schwangau, zu deren Mitgift dieses bereits bestehende Gericht in Pflach gehörte. Ab 1481 holte Erzherzog Sigmund von Tirol den Außerferner Grundbesitz von den Edlen von Schwangau in seinen Besitz und vereinigte ihn mit dem Gericht Ehrenberg, wodurch das Gericht in Pflach verschwand.
Im Gemeindegebiet wurde früher viel Flachs angebaut, wovon noch manche Bleichgrube im Lussfeld zeugt.
1692 wird Pflach als „Gemeinde” bezeichnet, bleibt aber im Verband der Anwaltschaft Reutte. Die Grenze zwischen Österreich und Bayern verlief zwischen 1814 und 1816 auf der Lechbrücke zwischen Pflach und Unterletzen, das damals noch zu Musau gehörte. Als Vils 1816 zu Österreich kam, ging die Funktion als kurzzeitiger Grenzort verloren. Ab 1833 ist Pflach endgültig eine selbstständige politische Gemeinde.
Durch eine Gemeindereform kamen 1974 Oberletzen von der Gemeinde Wängle und 1981 Unterletzen von der Gemeinde Musau zu Pflach. Es ist damit die einzige Gemeinde des Bezirkes, die sich in den letzten Jahren flächenmäßig vergrößerte.
Der alte Weg nach Füssen über den Kniepass, wo sich 1974 römische Geleisespuren fanden, hat mit dem Bau der Letzener Brücke in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. an Bedeutung verloren. Verkehrsmäßige Entlastung brachte die 1980 fertiggestellte Umfahrungsstraße, sodass die Lechauen zu beiden Seiten des Flusses als hochwertiges Erholungsgebiet gelten dürfen.

