Gramais
Die bevölkerungsmäßig kleinste Gemeinde Österreichs ruht mit der Kirche, der Schule, dem Gasthof Alpenrose und 22 Häusern auf 1328 m Seehöhe mitten in den Lechtaler Alpen vor dem grandiosen Abschluss des Otterbachtales, wo die Berge mit ihrer höchsten Erhebung zur Großen Leiterspitze (2750 m) aufsteigen. Das Bergdorf liegt in einem windgeschützten Kessel mit drei Ortsteilen Dörfl, Gschwendt und Riefen.
Informationen:
| Einwohner | 68 |
| Bügermeister | Michael Fasser |
| Telefon | 05634-6422 |
| gemeinde.gramais@aon.at |
Geschichte
Mundartlich „Gramoas”. Zugrunde liegt das lateinische Wort „grumus”(= Erdhügel), das zur romanischen Weiterbildung „val grumosa”(= das Murental) geführt hat. Diese Bedeutung weist auf die Lawinen-, Erdrutsch- und Murengefährdung hin. Hierzu passt auch die Deutung des Namens Riefen, des Gramais vorgelagerten Weilers, den man aus dem romanischen Wort „rovina”
(bedeutet Erdrutsch) ableitet.
In alten Zeiten, als einigermaßen fruchtbare Böden die fast einzige Wirtschaftsquelle waren, herrschte schon bei geringer Siedlungsdichte meist starker Bevölkerungsüberschuss. Dieser zwang weichende Bauernsöhne, immer neue Siedlungsräume zu erschließen. Zu diesen Gebieten gehörten die Almen. Oft halfen auch die Grundherrschaften – Adelsgeschlechter, Stifte, Klöster – den Siedlungswillen, etwa durch Beistellung von Vieh, zu erreichen. Die Siedler wurden dadurch zinspflichtig. Diese Landerschließung erfolgte meist, indem sich Hirten oder Knechte in den schon bestehenden Almhütten etwas häuslicher einrichteten und mit dem Vieh auch den Winter dort verbrachten. So wurden Almen gewissermaßen aus eigener Kraft zu Dauersiedlungen. Noch heute gibt es eine Stelle auf dem Weg zum Sattele (Übergang nach Boden) namens „Stabl” (stabulum = Stall), wo wohl die ersten Siedler sich sommers aufhielten. Diese Besiedelung reicht ins 14. Jh., denn schon 1370 wird Gramais erstmals urkundlich genannt. Eine Familie von Eigenleuten ist angeführt. Das Feuerstättenverzeichnis von 1427 nennt unter mehreren Orten im Gerichte Imst: Item zu Gremeise und auf Peschlab 19 Feuerstellen. 1629 werden 16 freieigene Bauern aufgezählt, die steuerpflichtig waren, und es beginnt: „Ist ein grobs, wilds Tal fern vom Land entlegen”. Das neue Steuermaß war eine „Kuefuere” – die Fläche Feldes, dessen Ertrag zur Haltung einer Kuh auslangte.
Aus dem Jahre 1690 (der erste Priester kam nach Gramais) ist der älteste Gemeindebrief erhalten, wie man sich verhalten soll. Der Schluss heißt: „Darzue bekennt die ganze nachbarschaft und dises zu unterschreiben ein ieder mit seiner hausmarch”. (Die Leute waren des Schreibens und Lesens unkundig, also „unterzeichneten” sie).
1847 schreibt Jakob Staffler: „Das Thal Gramais, ein Alpental, rau, trübselig und unfruchtbar wie Pfafflar. Die Schule untersteht gleich jener von Taschach in Pfafflar, der Distriktsschulen-Inspektion von Elbigenalp. Die Bewohner gelten als guthmütige, fleißige und genügsame Leute. Man weiß nichts von einem Wirtshause, also von Wein und Bier. Selbst das Brod ist dort ein Luxus-Artikel. Von Gramais und Pfafflar lässt sich mit Zachariä in Wahrheit sagen: Ein zufriedenes Volk, obgleich ein sparsamer Himmel über den trauernden Thälern hängt.”
1811 wurde Gramais eine politische Gemeinde, die erst 1938 vom Bezirk Imst zum Bezirk Reutte kam. Im Jahre 1847 hatte Gramais mit 121 Einwohnern die höchste Einwohnerzahl. Heute hat Gramais etwa 60 Einwohner.

